61 Prozent der Unternehmen erleben die unsicherste Phase ihrer Geschichte

Die wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland hat ein außergewöhnliches Ausmaß erreicht. 61 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, aktuell die unsicherste Phase ihrer bisherigen Unternehmensgeschichte zu erleben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle internationale Unternehmensbefragung von CRIF.

Die Gründe dafür sind vielfältig: steigende Kosten, anhaltende Inflation, geopolitische Krisen, eine schwächelnde Konjunktur und tiefgreifende technologische Veränderungen. Entsprechend groß ist die Sorge vor den kommenden Monaten. 87 Prozent der deutschen Unternehmen blicken mit Unsicherheit auf ihre finanzielle Entwicklung – so viele wie in keinem der weiteren untersuchten Länder.

„Die Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischen Konflikten, technologischen Umbrüchen und regulatorischen Veränderungen stellt zahlreiche Unternehmen vor Herausforderungen, die sie in dieser Form bislang nicht erlebt haben“, erklärt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer der CRIF GmbH.

Unternehmen kämpfen an mehreren Fronten gleichzeitig

Die Studie zeigt, dass Unternehmen derzeit nicht mit einer einzelnen Krise konfrontiert sind. Vielmehr treffen mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig aufeinander und verstärken sich gegenseitig.

An erster Stelle stehen die steigenden Kosten. 54 Prozent der Unternehmen erwarten, dass ihre Betriebskosten in den kommenden zwölf Monaten weiter deutlich steigen werden. Gleichzeitig rechnen viele Unternehmen mit sinkenden Gewinnen, einem schwierigeren Zugang zu Finanzierungen und einer angespannten Liquidität.

Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bereiten Sorgen. 48 Prozent sehen in Inflation und Kostensteigerungen das größte externe Risiko. 39 Prozent erwarten eine weitere Abschwächung der deutschen Wirtschaft, während 36 Prozent negative Auswirkungen einer schwächeren europäischen Konjunktur befürchten.

Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten. Konflikte im Nahen Osten sowie die angespannten Beziehungen zwischen Europa und den USA werden von vielen Unternehmen inzwischen als unmittelbare wirtschaftliche Risiken wahrgenommen.

Fehlende Planbarkeit wird zur größten Herausforderung

Besonders deutlich wird die Unsicherheit beim Blick auf die langfristige Unternehmensplanung. Sieben von zehn Unternehmen geben an, dass die aktuelle wirtschaftliche und geopolitische Lage ihre strategische Planung erheblich erschwert. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze.

Auch die Auswirkungen auf das operative Geschäft sind deutlich spürbar:

  • 73 Prozent sehen hohe Kosten und Inflation als zunehmende Belastung für die Unternehmensführung.
  • 65 Prozent erwarten eine rückläufige Konsumnachfrage.
  • 57 Prozent sehen geopolitische Spannungen als zusätzlichen Unsicherheitsfaktor.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass nicht einzelne Ereignisse, sondern die fehlende Verlässlichkeit der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit als größte Herausforderung wahrgenommen werden.

Unternehmen reagieren mit mehr Effizienz und Künstlicher Intelligenz

Die wirtschaftliche Unsicherheit bleibt nicht ohne Folgen. Viele Unternehmen passen ihre Strategien an, überprüfen Investitionen und legen einen stärkeren Fokus auf Effizienz.

Auffällig ist insbesondere die Entwicklung beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Bereits 46 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen KI gezielt, um Kosten zu senken – mehr als in allen anderen untersuchten Ländern.

Darüber hinaus haben:

  • 32 Prozent ihre Wachstumspläne angepasst,
  • 32 Prozent Neueinstellungen verschoben,
  • 30 Prozent den Schwerpunkt stärker auf Kosteneffizienz gelegt,
  • 24 Prozent Investitions- oder Expansionsvorhaben verschoben.

KI wird dabei zunehmend als strategisches Instrument verstanden. Mehr als die Hälfte der Unternehmen setzt sie bereits zur Automatisierung von Prozessen und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ein.

Belastbares Grundvertrauen

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage bleibt das Vertrauen in die Stabilität des europäischen Finanzsystems grundsätzlich erhalten. 52 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass Europa auch künftig über ein belastbares Finanzsystem verfügt, das Unternehmen in Krisenzeiten unterstützen kann.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass wirtschaftliche Entscheidungen heute unter deutlich schwierigeren Rahmenbedingungen getroffen werden müssen als noch vor wenigen Jahren. Unsicherheit entwickelt sich zunehmend zu einem dauerhaften Einflussfaktor für Investitionen, Finanzierungen und die Auswahl verlässlicher Geschäftspartner.

Über die Studie

Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut Opinium zwischen dem 20. März und dem 7. April 2026 insgesamt 500 Unternehmensentscheider in Deutschland, Irland, Italien, Polen und dem Vereinigten Königreich im Auftrag von CRIF.

Hier geht es zur Pressemitteilung.