Überschuldung 2025:

Der Wandel der Ursachen

Warum Arbeitslosigkeit als Hauptursache an Bedeutung verliert und gesundheitliche Belastungen sowie dauerhaft niedrige Einkommen zunehmend in den Vordergrund rücken.

Die Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Quellen, wenn es um die Ursachen privater Überschuldung geht. Die aktuelle Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 15. Juli 2026 stellt die Ergebnisse der Überschuldungsstatistik 2025 vor. Diese basiert auf den Angaben von Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen und ermöglicht damit einen fundierten Einblick in die Ursachen der Überschuldung von Menschen, die professionelle Hilfe in Anspruch genommen haben.

Die aktuelle Auswertung (hier die Tabelle) zeigt eine Entwicklung, die auf den ersten Blick überrascht: Erstmals wurden Erkrankung, Sucht oder Unfall häufiger als Hauptauslöser einer Überschuldung genannt als Arbeitslosigkeit.

Doch die eigentliche Erkenntnis liegt nicht allein in diesem Wechsel an der Spitze der Statistik. Erst der Blick auf die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre zeigt, wie sich die Überschuldungsursachen verändern und welche Rückschlüsse sich daraus ziehen lassen.

Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre

Wie sich die Überschuldungsursachen verändert haben

Einzelne Jahreswerte können durchaus durch konjunkturelle oder gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst werden. Aussagekräftiger ist deshalb der Blick auf die langfristigen Veränderungen.

Auffällig ist zunächst, dass sich nicht alle Überschuldungsursachen gleichermaßen entwickeln. Während einige Ursachen über den gesamten Zeitraum nahezu konstant bleiben, zeigen andere eine deutliche Verschiebung.

Den stärksten Rückgang verzeichnet die Arbeitslosigkeit. Ihr Anteil sank von 20,0 Prozent im Jahr 2015 auf 16,8 Prozent im Jahr 2025. Demgegenüber stieg der Anteil gesundheitlicher Ursachen – Erkrankung, Sucht oder Unfall – von 13,5 auf 18,2 Prozent. Besonders auffällig entwickelte sich zudem die Kategorie „Längerfristiges Niedrigeinkommen“. Mit einem Anstieg von 3,4 auf 10,0 Prozent hat sich ihr Anteil innerhalb von zehn Jahren nahezu verdreifacht.

Demgegenüber zeigen andere Überschuldungsgründe eine bemerkenswerte Stabilität. So bewegt sich beispielsweise die gescheiterte Selbstständigkeit seit Jahren nahezu unverändert bei rund acht Prozent. Auch Bürgschaften oder Mithaftungen sowie gescheiterte Immobilienfinanzierungen spielen über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg nur eine untergeordnete Rolle.

Die Überschuldungsursachen selbst sind damit keineswegs neue Phänomene. Auffällig ist vielmehr, dass sich ihre Bedeutung innerhalb der vergangenen zehn Jahre spürbar verschoben hat.

Die ergänzenden Auswertungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass sich die Überschuldungsursachen je nach Lebenssituation deutlich unterscheiden können.

So lebten im Jahr 2025 mehr als die Hälfte aller beratenen Personen (52 Prozent) in einem Einpersonenhaushalt. Innerhalb dieser Gruppe waren gesundheitliche Probleme mit rund 24 Prozent der häufigste Hauptauslöser einer Überschuldung. Wer allein lebt, kann Einkommensausfälle oder unerwartete finanzielle Belastungen in der Regel nicht innerhalb des Haushalts auffangen.

Ein anderes Bild zeigt sich bei Alleinerziehenden. Hier waren Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners beziehungsweise der Partnerin mit rund 23 Prozent die häufigste Ursache einer Überschuldung – und zwar gleichermaßen bei alleinerziehenden Frauen wie bei alleinerziehenden Männern. Auch dies verdeutlicht, wie stark die persönliche Lebenssituation die Entstehung finanzieller Schwierigkeiten beeinflussen kann.

Interessant ist auch ein Blick auf die durchschnittliche Schuldenhöhe. Über alle beratenen Personen hinweg beliefen sich die Verbindlichkeiten im Jahr 2025 auf durchschnittlich 34.650 Euro. Männer wiesen dabei mit durchschnittlich 39.717 Euro eine deutlich höhere Verschuldung auf als Frauen mit 29.500 Euro. Noch größer fällt der Unterschied bei Alleinerziehenden aus: Während alleinerziehende Mütter durchschnittlich mit 34.386 Euro verschuldet waren, lag die durchschnittliche Schuldenhöhe alleinerziehender Väter bei 46.219 Euro.

Damit wird deutlich, dass sich nicht nur die Ursachen, sondern auch das Ausmaß einer Überschuldung je nach Lebenssituation erheblich unterscheiden kann.

Die Statistik liefert allerdings keine Erklärung für diese Unterschiede. Sie zeigt lediglich, dass sich Überschuldung nicht nur hinsichtlich ihrer Ursachen, sondern auch hinsichtlich ihrer finanziellen Auswirkungen zwischen verschiedenen Personengruppen deutlich unterscheiden kann.

Die Überschuldungsstatistik macht deutlich, dass sich finanzielle Schwierigkeiten selten auf einzelne Forderungen beschränken. Wer eine Schuldnerberatung aufsucht, hat in der Regel nicht nur bei einem Gläubiger Zahlungsrückstände, sondern gegenüber mehreren Gläubigern gleichzeitig.

Besonders häufig bestanden im Jahr 2025 offene Forderungen gegenüber der öffentlichen Hand. Rund 57 Prozent der beratenen Personen hatten Zahlungsrückstände beispielsweise bei Finanzämtern, Sozialversicherungsträgern oder der Bundesagentur für Arbeit beziehungsweise den Jobcentern.

Darüber hinaus bestanden bei rund 47 Prozent der Ratsuchenden Verbindlichkeiten gegenüber Telekommunikationsunternehmen. Ratenkredite bei Kreditinstituten betrafen etwa 37 Prozent der beratenen Personen. Knapp 29 Prozent hatten offene Forderungen aus dem Online- und Versandhandel.

Diese Zahlen werden gelegentlich missverstanden. Sie beschreiben nicht die Ursachen der Überschuldung, sondern die Gläubigerstruktur zum Zeitpunkt der Beratung. Die eigentlichen Auslöser können bereits Jahre zuvor eingetreten sein. Die offenen Forderungen zeigen vielmehr, wie weit sich finanzielle Schwierigkeiten im Laufe der Zeit auf unterschiedliche Lebensbereiche ausgedehnt haben.

Gerade der hohe Anteil öffentlicher Gläubiger ist dabei bemerkenswert. Er verdeutlicht, dass Überschuldung keineswegs nur klassische Bankkredite oder Konsumausgaben betrifft. Gerät ein Haushalt dauerhaft in finanzielle Schwierigkeiten, bleiben häufig auch Steuerforderungen, Sozialversicherungsbeiträge oder andere öffentlich-rechtliche Zahlungsverpflichtungen nicht mehr unberührt.

Die Statistik richtig einordnen

Die Überschuldungsstatistik vom Statistischen Bundesamt wird seit mittlerweile zwanzig Jahren nach einer einheitlichen Methodik erhoben. Gerade diese Kontinuität ermöglicht es, langfristige Entwicklungen zuverlässig nachzuvollziehen.

Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Aussagekraft der Ergebnisse.

Die Statistik erfasst ausschließlich Personen, die eine Schuldner- oder Insolvenzberatungsstelle aufgesucht haben. Sie bildet damit nicht die Gesamtheit aller überschuldeten Menschen in Deutschland ab. Ebenso wird für jeden Beratungsfall lediglich ein Hauptauslöser der Überschuldung erfasst, obwohl finanzielle Schwierigkeiten in der Praxis häufig durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren entstehen.

Dies schmälert den Wert der Statistik jedoch nicht. Vielmehr liefert sie eine belastbare Grundlage, um Entwicklungen innerhalb der beratenen Personengruppe über viele Jahre hinweg miteinander zu vergleichen. Gerade darin liegt ihre besondere Stärke.

Für die Interpretation der Ergebnisse bedeutet dies: Weniger einzelne Prozentpunkte sind entscheidend als vielmehr die langfristigen Trends. Gerade diese langfristige Betrachtung macht den besonderen Wert der Überschuldungsstatistik aus. Sie ermöglicht es, Veränderungen der Überschuldungsursachen frühzeitig zu erkennen und gesellschaftliche Entwicklungen sachlich einzuordnen.

Hier finden Sie die Originalstatistik vom Statistischen Bundesamt.